<em>Rio de Janeiro</em> [1], 10. September (AFP) - In einer Elendssiedlung von Rio de
Janeiro haben jugendliche Drogenhändler am Montag einen Zug mit Ministern und
Abgeordneten beschossen. Wie der Radiosender CBN berichtete, war der Zug auf
einer Jungfernfahrt zwischen der Favela Jacarezinho und dem Hafen der
Millionenmetropole unterwegs. Als während der Hinfahrt die Schüsse abgefeuert
wurden, warfen sich die Kabinettsmitglieder, die Parlamentarier und die sie
begleitenden Journalisten auf den Boden. Auf der Rückfahrt gingen die
Fahrgäste vorsorglich in Deckung. Tatsächlich wurde der Zug abermals
beschossen.
Insgesamt trafen mindestens vier Kugeln die Lokomotive. Der Städteminister
Marcio Fortes sprach später von einer bedauerlichen "Episode". Ziel der
Regierung sei es, durch massive Investitionen zu einer "verbesserten
Lebensqualität" in den Favelas beizutragen. Um die stillgelegte
Eisenbahnstrecke wieder in Betrieb nehmen zu können, hatten die Behörden 850
Elendsbehausungen abreißen lassen und zahlreiche Bewohner umgesiedelt. In Rio
leben mehr als eineinhalb Millionen Menschen in mehr als 750 Favelas. Ingesamt
zählt die Stadt etwa sechs Millionen Einwohner.
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