Abstimmung im Senatsplenum kommende Woche erwartet
Brasilia, 6. September (AFP) - Der Ethikausschuss des brasilianischen
Senats hat am Mittwoch eine Resolution zur Absetzung von Senatspräsident Renan
Calheiros wegen Korruption verabschiedet. In der mit elf zu vier Stimmen
angenommenen Entschließung heißt es, Calheiros habe gegen die Würde der
Parlamentskammer verstoßen. Die Resolution muss jetzt noch den Verfassungs-
und Justizausschuss passieren, eine Abstimmung im Senatsplenum könnte dann
möglicherweise kommende Woche stattfinden. Der frühere Justizminister
Calheiros, einer der Spitzenpolitiker der Zentrumspartei der Demokratischen
Bewegung Brasiliens (PMDB), die zum Regierungsbündnis von Staatspräsident Luis
Inacio Lula da Silva gehört, hat einen Rücktritt bislang abgelehnt.
Calheiros hatte eingeräumt, dass ein Baulobbyist seiner früheren Geliebten
- eine Journalistin, mit der er eine dreijährige Tochter hat - über Jahre
hinweg ein großzügiges Ruhegeld zukommen ließ. Nach seiner Darstellung
stammten die monatlichen Zahlungen allerdings aus seinem Vermögen. Der
Lobbyist und Freund habe aus Diskretionsgründen als Mittelsmann gewirkt. Den
brasilianischen Medien zufolge ist Calheiros in weitere Korruptionfälle
verwickelt. Das Parlament wird seit vier Jahren von Bestechungsaffären
erschüttert. Im Jahr 2005 musste deshalb bereits der Präsident der
Abgeordnetenkammer, Severino Cavalcanti, zurücktreten. Auch enge Mitarbeiter
Lulas waren wie im Domino-Effekt gestürzt, unter ihnen der Präsident, der
Generalsekretär und der Schatzmeister seiner Arbeiterpartei (PT).
Derzeit müssen sich vor dem Obersten Gericht Führungsmitglieder der
Arbeiterpartei unter anderem wegen Bestechung, Geldwäsche und
Steuerhinterziehung verantworten. Zu den Beschuldigten zählen frühere Minister
Lulas sowie sein ehemaliger Kabinettschef José Dirceu. Sie sollen Abgeordnete
mit Schmiergeldzahlungen dazu bewegt haben, in die Arbeiterpartei oder andere
Parteien des Regierungsbündnisses zu wechseln oder für Vorhaben der Regierung
zu stimmen. Außerdem sollen aus Staatsbetrieben Gelder in Millionenhöhe an die
Regierungsparteien geflossen sein. Der Staatschef erklärte wiederholt, von den
Machenschaften seiner engen Mitarbeiter nichts gewusst zu haben.